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Der lange Weg zu gesunden Hufen:

Püppis Geschichte – eine Fallstudie über Geduld und neue Erkenntnisse


In einer Welt, in der schnelle Lösungen und perfekte Instagram-Bilder oft den Ton angeben, kann der reale Weg der Pferdesanierung lang, steinig und von Rückschlägen geprägt sein. Die Geschichte von Kerstin und ihrer Stute Püppi ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Es ist eine Erzählung, die Mut macht und zeigt, wie entscheidend Geduld, das richtige Wissen und die Bereitschaft, alte Pfade zu verlassen, für die Heilung eines Pferdes sein können. In einem emotionalen und lehrreichen Vortrag teilten Kerstin und die Hufexpertin Sabine Püppis Weg – von einem psychisch und physisch angeschlagenen Pferd zu einem Hoffnungsschimmer.


Die Ausgangslage:

Ein scheinbar hoffnungsloser Fall


Als Kerstin ihre Stute Pipi zurückbekam, war das Pferd ein Bündel an Problemen. Eine massive Trageerschöpfung, eingeklemmte Schulterblätter und eine tiefsitzende psychische Instabilität machten den Alltag zur Herausforderung. Die größte Hürde war jedoch die Hufbearbeitung. Pipi konnte ihre Hufe nur für fünf bis zehn Sekunden am Stück heben, und das auch nur während der Fütterung. An eine reguläre Hufbearbeitung durch einen Schmied oder Hufpfleger war nicht zu denken.

"Ich kann die Hufe nur fünf bis zehn Sekunden hochheben und das nur maximal vier bis fünf Mal pro Seite. Ich kann auch nicht alle vier Hufe auf einmal machen."

– Kerstin, Pipis Besitzerin


Jahrelang wurde Pipi mit Eisen beschlagen, teilweise mit Platten, um die Hufe zu schützen. Doch Kerstins Bauchgefühl sagte ihr, dass das Abdichten des Hufes nicht der richtige Weg sein konnte. Der Zustand der Hufe verschlechterte sich zusehends, und die psychische Belastung für Pferd und Mensch wuchs.


Wendepunkt 1:

Der flexible Klebebeschlag


Die erste entscheidende Wende kam mit dem Umstieg auf einen flexiblen Klebebeschlag (TPS). Im Gegensatz zum starren Eisen erlaubt dieser Kunststoffbeschlag dem Huf, seine natürliche Flexibilität beizubehalten. Die Hufkapsel kann sich horizontal und vertikal bewegen, was für den Hufmechanismus und die Durchblutung essenziell ist.


Dieser Wechsel ermöglichte es dem Huf, sich unter Belastung natürlicher zu verhalten und schuf die Grundlage für weitere Heilungsprozesse. Für Kerstin war es zudem eine praktikable Lösung, da sie den Beschlag selbst anbringen und erneuern konnte, angepasst an die extrem kurzen Zeitfenster, die Püppi ihr gab.

Im Hause TACT Entwickelt: der TPS (TACT Perma Schutz)
Im Hause TACT Entwickelt: der TPS (TACT Perma Schutz)

Wendepunkt 2:

Die wahre Ursache wird erkannt – der Pilz


Trotz des neuen Beschlags blieb ein zentrales Problem bestehen: eine tiefe, mittlere Strahlfurche, die sich einfach nicht schloss. Dort wo eigentlich der Stahldiamant sitzt befand sich eine tiefe Strahlfurche. Der Strahl sah, wie Sabine es beschrieb, aus "wie ein vergammelter Apfel". Lange Zeit wurde das Problem nicht richtig erkannt, da Kerstin wie beschrieben, gar nicht Zeit hatte den Strahl einmal ordentlich auszuschneiden. Da der typische faulige Geruch fehlte, wurde eine Strahlfäule ausgeschlossen.


Inspiriert durch einen früheren Vortrag von Hufexpertin Cati kam die Erleuchtung: Es musste ein Pilz sein. Während bakterielle Strahlfäule penetrant riecht, ist ein Pilzbefall oft nur durch einen dezenten, käsigen Geruch zu erkennen, wenn man mit einem Tuch tief in die Furche geht. Dieser Pilz hatte sich, unbemerkt unter dem dichten Beschlag der Vergangenheit, über Jahre im Horn ausgebreitet.


"Solange der Pilz aktiv ist, heilt der Strahl NICHT."

– Sabine, TACTGefühl


Diese Erkenntnis veränderte alles. Die Behandlung wurde um eine gezielte antimykotische Komponente erweitert. Kerstin begann, die tiefe Strahlfurche mit einer speziellen Flüssigkeit zu behandeln, die beim Kontakt mit Luft zu einem Gel wird und so länger in der Furche verbleibt.


Wenn der Diamant zur Furche wird ist Vorsicht geboten. (Beispiel Fotos)
Wenn der Diamant zur Furche wird ist Vorsicht geboten. (Beispiel Fotos)

Der langsame Weg zum Erfolg:

Geduld und die richtige Strategie


Die Kombination aus flexiblem Hufschutz und gezielter Pilzbehandlung zeigte langsam, aber sicher Wirkung. Die Fotos aus dem Vortrag dokumentieren eine deutliche Verbesserung: Die Trachten weiten sich, der Strahl beginnt sich zu regenerieren und die tiefe Furche wird langsam flacher.

Der Weg ist noch nicht zu Ende, aber die Fortschritte sind unverkennbar. Kerstins Strategie, sich in den kurzen Momenten der Hufbearbeitung auf die wichtigsten Bereiche zu konzentrieren (z.B. die Eckstreben im "Seat of Corn"), zahlte sich aus. Sie lernte, zuerst Fotos zu machen, um in Ruhe den nächsten Schritt zu planen, anstatt in der angespannten Situation unter Druck zu entscheiden.


Fazit:

Eine Botschaft der Hoffnung


Püppis Geschichte ist mehr als nur ein Fallbeispiel für Hufprobleme. Sie ist eine kraftvolle Botschaft an alle Pferdebesitzer, die mit schwierigen Fällen zu kämpfen haben:



Kernaussage


Durchhalten lohnt sich

Auch wenn die Situation aussichtslos erscheint und man das Handtuch werfen möchte – es gibt immer einen Weg. Geben Sie nicht auf.


Schaue tiefer

Eine hartnäckige Strahlfäule, die nicht heilt, könnte ein Pilz sein. Der Geruchstest (stinkt nach Käse) ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Diagnosemittel.


Flexibilität vor Starrheit

Ein Huf muss arbeiten können. Flexible Hufschutzlösungen können die natürliche Funktion unterstützen und die Heilung fördern.


Suche Unterstützung

Niemand muss diesen Weg alleine gehen. Der Austausch mit Experten und anderen Betroffenen ist Gold wert und gibt Kraft.

Der Weg zur vollständigen Genesung ist für Püppi noch weit, aber die Richtung stimmt. Ihre Geschichte ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass mit Geduld, dem richtigen Wissen und einer großen Portion Liebe selbst die schwierigsten Fälle eine Chance auf Heilung haben.



 
 
 

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